Netzspuren Teil 3 – Schnüffel-Scripte aussperren

Viele Seitenbetreiber setzen “Schnüffel-Scripte” auf ihre Webseite. Einige dieser Scripte bieten den Betreibern der Seite einen tollen Service. Sie erfahren mit diesen Anwendungen, die sie auf in ihre Seite eingebunden haben, viel über ihre Besucher:

- Von welcher Seite kommen diese zu ihrer Webseite?
- Waren die Benutzer schon öfter hier?
- Welche Seiten des eigenen Angebots wurden in welcher Reihenfolge betrachtet?
und vieles mehr, was natürlich die Seitenbetreiber (durchaus berechtigt)  interessiert.

Die meisten dieser Anwendungen sind für die Seitenbetreiber kostenlos. Aber für umsonst arbeiten die Anbieter dieser Anwendung natürlich nicht. Sie sammeln die Daten von den / von uns Internet-User und verkaufen sie an Interessierte.

Das perfide: Wir merken davon nichts. So geben wir unser Surfverhalten ohne unser Wissen an Datenhändler weiter.
Sind wir da vollkommen ausgeliefert und schutzlos? Nein.
Eine Möglichkeit die “Schnüffel-Scripte” auszusperren, bietet das Browser Add-on “Ghostery“. Dieses gibt es für alle gängigen Webbrowser.

Anwendungsbeispiel:

Wenn ich die Seite vom Kicker aufrufe, um über den Live-Ticker über den Stand der Fußballergebnisse informiert zu werden, blockiert “Ghostery” gleich sechs von den “Schnüffel-Scripten”.


Screenshot: Blockierte “Schnüffel-Scripte” beim Aufruf der Seite von kicker.de

Weiterhin bietet mir “Ghostery” die Möglichkeit, zu erfahren, was und wer hinter der jeweiligen Anwendung steckt:


Screenshot: Was steckt hinter dem “Schnüffel-Script”?

Ich erfahre durch klicken auf “Was ist Audience Science“, was die Anwendung macht, was sie speichert, an wen sie die Daten weitergibt und wer sie betreibt. (Auf englischer Sprache.)

Ich erfahre, dass dass u.a.
- Browser-Typ
- Spracheinstellungen
- welche Seiten ich aufgerufen habe, mit Uhrzeit und Datum
- meine IP Adresse
gespeichert und an Dritte weitergegeben werden.

Die Speicherdauer dieser Verkehrsdaten beträgt 24 Monate.
Über 20.000 Seiten nutzen Audience Science.

Audience Science ist nur eins der “Schnüffel-Scripte” auf dieser (und vieler anderer Seiten) im Netz. “Ghostery” sperrt diese aus – wenn du welche für nützlich hältst, kannst du sie natürlich frei schalten (z.B. das Script der VG WORT).


Weiterführende Links:

Download Ghostery
Wikipedia über Ghostery
Ghostery für Firefox, David Cancel, CHIP online, 02.02.2012

Netzspuren, Helgo Ollmann, 13.01.2012, Blog Bitwolke
Netzspuren Teil 2 (IP verschleiern), Helgo Ollmann, 21.01.2012, Blog Bitwolke

Netzspuren Teil 2 (IP verschleiern)

Im Teil 1 von Netzspuren, wurde gezeigt, wie

  • Referrer
  • Browser und Betriebssystem
  • installierte Plugins

verschleiert werden können, sowie auf einen Test verschiedener Anonymisier vom AK Vorrat verwiesen. Hier geht es um das Verschleiern der IP mit Firefox.

IP mit Firefox Addon verschleiern

Eine bequeme Möglichkeit, seine IP zu verschleiern bietet das Firefox Addon anonymoX.
In der kostenlosen Version stehen nicht so schnelle und zahlreiche Proxy-Server zur Verfügung wie in der kostenpflichtigen, aber ein schneller Einstieg in anonymes Surfen ist so leicht und schnell möglich.

anonymoX bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, den Referrer zu verstecken, sowie den Browser zu verschleiern.

Einstellung des Proxys zur Verschleierung der IP

Die Einstellung des gewünschten Proxys funktioniert intuitiv – einfach das gewünschte Land und Proxy aussuchen.


Screenshot: Einstellung des Proxys

Kontrolle über den Anonymitätscheck von gulli.com:


Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen mit Addon “anonymoX”)

Das selbe noch einmal mit anderen Einstellungen:


Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen mit Addon “anonymoX”)


Weiterführende Links:
Blog Bitwolke Netzspuren Teil 1, 13.01.2012
Anonymitätscheck gulli.com
Firefox Addon anonymoX
Chip Online Anleitung und Download des Firefox Addons anonymoX, 02.01.2012

Uptdate:
Netzspuren Teil 3 (Schnüffel-Scripte aussperren), Blog Bitwolke, 09.03.2012

Netzspuren

Beim Aufruf einer beliebigen Webseite liefern wir dem Seitenbetreiber jede Menge Informationen über uns, die dieser auswerten kann (und teilweise auch zur besseren Darstellung der Webseite auswerten muss). Was das für Daten sind, kannst du unter anderem auf dieser Webseite selber anschauen:

Gulli.com zeigt, welche Spuren du im Netz jeder Internetseite hinterlässt:
Anonymitätscheck

Spuren verwischen

Du hast u.a. übertragen:

  • mit welcher IP Adresse du surfst
  • wer dein Internetprovider ist
  • welchen Browser und welches Betriebssystem du verwendest
  • welche Erweiterungen (Plugins) du installiert hast
  • von welcher Internetseite aus (Referrer) du diese Seite aufgerufen hast

Diese Daten geben eine Art Fingerabdruck, die (auch ohne Verwendung von Cookies) Nutzer zuordnenbar machen. Eli Pariser sprach von 57 Merkmalen, die Google auswertet, um personalisierte Suchergebnisse zu liefern. (Siehe auch: Info-Vielfalt oder -Einfalt in der Echokammer?)

Screenshot gulli.com
Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen ohne Addon “RefControl”)

Referrer verschleiern

Von welcher Seite aus du eine andere Seite aufrufst, geht den Seitenbetreiber im Prinzip gar nichts an – und er braucht dieses Wissen auch nicht, um seine Seite gut darstellen zu können. Firefox-User können mit dem Add-on RefControl ihre Herkunftsseite (“Referrer”) verschleiern.

Screenshot gulli.com
Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen mit Addon “RefControl”)

Browser und Betriebssystem verschleiern

Wer möchte, kann auch sein Betriebssystem und seinen Browser verschleiern. Mit dem Firefox Addon User Agent Switcher kann eingestellt werden, als was sich dein System meldet.
Hier zum Beispiel als iPhone:

Screenshot gulli.com
Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen mit Addon “User Agent Switcher”)

Wie sinnvoll eine solche Verschleierung ist, sei dahin gestellt. Mache Seiten werden so wahrscheinlich nicht vernünftig dargestellt werden. Weiterhin werden noch immer die Plugins angezeigt – und diese hier angezeigten wird kaum ein iPhone haben. ;-)

Installierte Plugins verschleiern

Mit dem Firefox Addon  Plugins Toggler können auch (einzelne oder alle) installierten Plugins verschleiert werden. Dies kann unter Umständen (wie auch dem Vortäuschen eines anderen Betriebssystems und Browsers) zu falschen Darstellungen von Webseiten führen.
Hier wurden alle installierten Plugins versteckt:

Screenshot gulli.com
Screenshot gulli.com (Seite aufgerufen mit Addon “Plugins Toggler”)

Vollkommen anonym surfen

Wer auch noch seine IP und somit seine Herkunft verschleiern will, kann dies mit unterschiedlichen Anonymisierungsdiensten machen. Diese sind unterschiedlich schnell und teilweise kostenpflichtig. Hier findest du einen Vergleich von Anonymisierungsdiensten vom AK Vorrat.


Weiterführende Links:
Anonymitätscheck gulli.com
Vergleich von Anonymisierungsdiensten AK Vorrat, 22.01.2009
Firefox Addon RefControl (verschleiert die Herkunftsseite – “Referrer”)
Firefox Addon User Agent Switcher (verschleiert das Betriebssystem und den Browser)
Firefox Addon Plugins Toggler (verschleiert installierte Plugins)
Info-Vielfalt oder -Einfalt in der Echokammer? Blog Bitwolke, 25.12.2011


Update:
Verschleiern der IP mit einem Addon für Firefox, Blog Bitwolke, 21.01.2012
Netzspuren Teil 3 (Schnüffel-Scripte aussperren), Blog Bitwolke, 09.03.2012

Max Schrems vs. Facebook

Max Schrems hatte 2011 mit seinen Anzeigen gegen Facebook in Irland für Schlagzeilen gesorgt.
Er hatte sich auf das europäische Datenschutzrecht berufen und seine von Facebook gespeicherten Daten eingefordert.

Er bekam eine CD aus den USA mit 1200 Seiten als PDF-Datei – Material aus drei Jahren Facebook-Aktivität. Darunter waren auch Daten, von denen er ausging, dass diese längst gelöscht seien. Er zeigte Facebook in Irland an. Die irischen Behörden haben darauf hin Betriebsprüfungen bei Facebook durchgeführt.

Richard Gutjahr hat Max Schrems in einem Café interviewt.

Teil 1:

Das mediale Interesse am Thema Facebook – Das größte Datenschutzverfahren in Irland -  Die Problematik der Betriebsprüfungen – “Facebook wird mit Samthänden angegriffen”

Teil 2:

Was bringt es, die eigenen Daten von Facebook anzufordern? – Facebook wird in Erklärungsnot kommen – Das irische Gesetz ist schwach und sieht keine Sanktionen vor – Hoffnung auf die europäische Datenschutzrichtlinie

Teil 3:

Daten von Facebook runterladen ist keine Alternative zur Daten-CD – Warum Facebook keine Verknüpfungen heraus gibt

Teil 4:

Datenschutz wird heute noch diskutiert, wie Umweltschutz in den 60er Jahren -”Schäumende Flüsse im Digitalen” – Datenschutz muss gleichen Stellenwert haben wie Arbeitnehmerschutz und Umweltschutz – Konsumenten müssen Technologien mit einem Grundvertrauen nutzen können – Ist Abmelden von Facebook eine Alternative oder eine Selbstbeschränkung?


Weiterführende Links:
Europe versus Facebook (aktuelle Berichte und Tipps, Selbstauskunft von Facebook anzufordern)
Gibt es ein Leben nach Facebook? Richard Gutjahr, G! – gutjahr’s blog, 12.12.2011
Facebook: So holst Du Dir Deine Daten Richard Gutjahr, G! – gutjahr’s blog, 25.09.2011 – update 21.12.2011