Info-Vielfalt oder -Einfalt in der Echokammer?

Der Begriff „Echokammmer“ bezeichnet, dass wenn sich jemand in Sozialen Netzwerken informiert, austauscht und dort diskutiert, dies meist nur mit Gleichgesinnten macht. So entsteht eine Weltsicht, die vortäuscht, alle anderen würden Dinge genau so oder ähnlich sehen – Widerspruch und andere Sichtweisen werden ausgeblendet.

Hat jemand auch Menschen mit anderer Ansicht unter seinen „Freunden“ bei Facebook, so kann es passieren, dass Facebook die Statusmeldungen der Andersdenkenden einfach nicht anzeigt.
Ähnlich verfährt auch Google bei Suchanfragen. Google nutzt Algorithmen, die möglichst die Treffer listen, von denen Google meint, sie würden am meisten interessieren. So können Anfragen von zwei verschiedenen Menschen zum selben Begriff ganz unterschiedliche Ergebnisse bringen.

Nicht nur Google und Facebook nutzen personalisierte Algorithmen, auch Online-Zeitungen und andere Webseiten haben diese (ohne unser Wissen) längst eingeführt – und es werden immer mehr Dienste, die sich derer bedienen.

Wir nutzen so nicht mehr alle „das selbe Internet“, sondern bewegen uns in Infoblasen oder eben in Echokammern.

Eli Pariser hat dies im Februar zum Thema des TED-Talks gemacht. Hier das Video dazu (einmal mit und einmal ohne Untertitel):


Eli Pariser: What FACEBOOK and GOOGLE are Hiding from world. Februar 2011 (Mit Untertiteln) Länge: 9:05 Minuten


Eli Pariser: What FACEBOOK and GOOGLE are Hiding from world. Februar 2011 (YouTube), Länge: 9:05 Minuten

Die Meinungen über die Personalisierung des Internets sind durchaus gespalten. So sehen einige darin einen Gewinn, da sie eh nicht mehr Herr der gesamten Informationsflut sein können – andere befürchten, dass eine vielfältige und umfassende Information so ausgehebelt wird.

Wichtig ist vor allem, zu wissen, dass wir nicht alle „das selbe Internet“ sehen und dass Ergebnisse gefiltert werden – und dass dies immer mehr stattfinden wird.
Ebenso sollte diese (wie auch immer bewertete) Vorfilterung auch abgeschaltet bzw. die Filterkriterien selbst gewählt werden können.

Eine Vorabfilterung bei Sozialen Netzwerken wie Facebook – wenn sie ohne das Wissen bzw. Zutun  der User passiert – verkehrt den Sinn dieser Netzwerke.

 

 


Weiterführende Links
Rettet den Zufall! Miriam Meckel, NZZ Online, 20.09.2011
Automatisch vorsortiert Stefan Schmitt, ZEIT ONLINE, 23.06.2011
Verzerrte Wahrnehmung Tobias Plutat, 1Live, 11.07.2011
Die ganze Welt ist meiner Meinung Konrad Lischka, SPIEGEL ONLINE, 11.03.2011
Die Filterbubblebubble mspro (Michael Seemann), ctrl-verlust, 07.06.2011
Soziale Filter: Wie Facebook den Webshop befruchten kann Jochen Krisch, excitingcommerce, 27.12.2011
Facebook schaltet unbemerkt Freunde ab, Stiftung Warentest, 07.03.2011

[update Links]
Vorgefiltertes Netz – Wie Facebooks nette Welt uns entmündigt, Eli Pariser, SPIEGEL ONLINE, 27.02.2012

Das vorgefilterte Netz, Vera Linz, Deutschladradio Kultur, 06.03.2012